Von letzten Meilen und TV-Kabeln

Arbeiten am Kabelverzweiger: Hier beginnt die letzte Meile.

Wir wollen in diesem Blog vor allem aus unserem Unternehmen berichten. Doch viele Entscheidungen, die die Deutsche Telekom und ihr GeschĂ€ft betreffen, werden gar nicht hier getroffen. Zum Beispiel die, wie viel Miete die Telekom von ihren Wettbewerbern fĂŒr die so genannte letzte Meile (im Branchendeutsch Teilnehmeranschlussleitung oder TAL) nehmen darf. Oder welche Bereiche des Telekommunikationsmarktes einer Regulierung unterworfen werden. Derlei wichtige Entscheidungen treffen die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde fĂŒr die Telekombranche oder der Gesetzgeber. Ich will mal versuchen, hierzu zwei Aspekte etwas nĂ€her zu beleuchten.

Punkt eins: Die Miete fĂŒr die letzte Meile. Dieses Thema ist in der Regel nicht sexy genug fĂŒr die Titelseiten. Aber wer die Wirtschaftsnews verfolgt, ist vielleicht vor ein paar Wochen darĂŒber gestolpert, dass die Telekom beim Regulierer einen neuen Entgeltantrag fĂŒr die letzte Meile gestellt hat. Die aktuelle Regelung lĂ€uft Ende MĂ€rz aus, am Donnerstag will die Behörde ihre Entscheidung ĂŒber das neue Entgelt bekannt geben.

Zum besseren VerstĂ€ndnis: Die TAL ist der Abschnitt der Leitung zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und dem Anschluss beim Kunden. FĂŒr Telekommunikationsunternehmen, die ĂŒber keine eigenes Netz verfĂŒgen, ist das der direkte Zugang zum Kunden. Ohne die gemietete TAL kĂ€men sie also gar nicht bei den Kunden ins Haus.

Die Telekom hat – wie beim letzten Antrag vor zwei Jahren auch – eine Miete von 12,90 Euro pro Monat beantragt, mit der sie ihre Kosten decken will. Derzeit liegt die Miete fĂŒr die letzte Meile bei 10,20 Euro pro Monat. Die Wettbewerber sind ĂŒber die TAL-Preise zerstritten: Auf der einen Seite fordern einige Wettbewerber, wenig ĂŒberraschend, eine Absenkung der Miete – und zwar drastisch, um 30 Prozent. Andere Unternehmen, die selbst in Glasfaserinfrastruktur investieren, fordern dagegen stabile Preise und drohen sogar damit, ihre Investitionen massiv zurĂŒckzufahren, falls es zu einer drastischen Absenkung kommt. Darum muss auch die Regulierungsbehörde diese Entscheidung treffen: Einigen kann die letzte Meile gar nicht preiswert genug sein, anderen ist die Absenkung immer zu viel – daher versucht die Behörde fĂŒr die Entscheidung alle Arten von ökonomischen Berechnungen anzustellen.

Das kann dann auch bedeuten, die Preise werden nicht immer weiter abgesenkt, wie es beispielsweise in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern passiert ist: In Großbritannien, Italien und Spanien haben die Regulierer den TAL-Preis erhöht. Ein Grund fĂŒr diese Erhöhung ist, dass sich aufgrund der sinkenden Anschlusszahlen bei den Netzbetreibern die StĂŒckkosten der TAL erhöht haben. So ist es auch bei uns. Die Telekom hat pro Jahr rund 1,5 Millionen FestnetzanschlĂŒsse verloren. Viele Kunden verzichten ganz auf einen Festnetzanschluss und nutzen nur noch Mobilfunk oder sie wechseln zu den TV-Kabelanbietern. Die Zahl der Kunden geht also zurĂŒck, die Kosten fĂŒr das Netz aber bleiben gleich.

Übrigens: Mit mehr als neun Millionen vermieteten Teilnehmeranschlussleitungen sind wir Europameister, und das gilt auch im europĂ€ischen Pro-Kopf-Vergleich. So schrecklich unattraktiv kann der Mietpreis also nicht sein


WĂ€hrend also um die TAL-Entgelte hart gerungen wird, hat sich heimlich, still und leise ein anderer Bereich entwickelt, der eine intensive Betrachtung verdient. Und damit kommen wir zu Punkt zwei: den Kabelnetzbetreibern, die mittlerweile eine ernst zu nehmende GrĂ¶ĂŸe im Telekommunikationsmarkt darstellen. Im Breitbandmarkt kommen sie inzwischen auf einen Anteil von elf Prozent. Sie haben sich „im Schatten der TV-MĂ€rkte regionale Festungen fĂŒr ihre Telekommunikationsprodukte aufgebaut“, wie Telekom Deutschland Vorstand Niek Jan van Damme gestern der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Und das ging so:

  • WĂ€hrend das Telekom-Netz fĂŒr alle Wettbewerber offen ist, verweigern die Kabelnetzbetreiber bisher den offenen Zugang zu ihren Netzen und besitzen regionale Monopole.
  • Die Verbraucher haben deshalb teilweise keine Wahlfreiheit, wenn sie schnelle InternetanschlĂŒsse haben wollen.
  • Nun könnte man einwenden, die Telekom mache den Kabelnetzbetreibern durch ihr Internet-Fernsehen Entertain ebenfalls Konkurrenz. Stimmt. Die Bedingungen sind aber unfair: Denn viele Mieter haben keine Chance, die KabelgebĂŒhren aus ihren Nebenkosten zu streichen. Sie bleiben bei ihrem Kabelanbieter, weil sie natĂŒrlich nicht zweimal bezahlen wollen.

Unter diesen Rahmenbedigungen haben es die Kabelanbieter geschafft, dass heute bereits jeder zweite DSL-Neukunde sich seinen Anschluss bei ihnen holt. Die geplante Fusion von Kabel BW und Unitymedia – beide zusammen kommen derzeit auf 1,4 Millionen Internetkunden und insgesamt 6,8 Millionen Kunden – sollte also den Kartellbehörden einen genauen Blick wert sein. Und der Gesetzgeber sollte regeln, dass alle Marktteilnehmer einen offenen Zugang zu den Kabelnetzen erhalten. Andernfalls, so Niek Jan van Damme, werde die Marktabschottung der Kabelbetreiber belohnt.

Kommentare (13)

  1. GFHardy sagt:

    wann kommt das schnelle Netz der Telekom nach 67435???

  2. Halo,
    mit Interesse habe ich den Blog gelesen und festgestllt, daß die wrkenden Markt-/Wettbewerbsmechanismen ganz schön kompliziert sind.
    Ich selbst bin seit Jahrzehnten Telefon-/ Internet-/ Mobilfunkkunde. Das liegt aber weniger an meiner stetigen Zufriedenheit mit der Telekom als daran, dass ich eben keinWanderer zwischen den Anbietern, wegen dem einen oder anderen Cent bin. Vielmehr war diese Zeit eine Wechselbad zwischen Zufriedenheit und massiver Unzufriedenheit. Und das Problem ist sehr eng an die TAL geknĂŒpft!
    Ich wollte so gern schon damals, wegen meines Hobby`s , eine HP betreiben. Jedoch mit ISDN wurde das immer schwieriger und langsamer, schwieriger und unschöner.
    RegelmĂ€ĂŸig bekam ich von der Telekom recht aggressive Werbepost fĂŒr DSL. MIr war das Recht, ich wollte es ja haben, und beantragte es. Fehlanzeige!
    Nach der Wende wurde OPAL gelegt und geschaltet, um die unterentwickelte Telefonie im Osten voranzutreiben. OPAL war/ist aber Schmalband und bestenfalls fĂŒr ISDN geeignet.
    Folgerichtig war auch die BgrĂŒndung der Telekom, warum bei mir kein DSL möglich war. Die aggressive Werbung flatterte mir weiterhin ins Haus. Arcor und Strato und andere wollten mich in den Genuß von DSL bringen. Wer ddas verhinderte war die Telekom. Man wollte ja keinen Kunden verlieren. Lieber einen unzufriedenen Kunden als gar keinen Kunden. Das schien die Philosophie zu sein.
    Das alte Kupferkabel lag noch, war nur deaktiviert. Telekom hatte kein Interesse daran. Ich schmorte weiter mit meinem ISDN-Internet!

    Dann kam BOSCH! Das war wie ein warmer Regen. Via Fernsehleitung bekam ich schnelles Internet, Fernsehen und Telefon angeboten (heute Telecolumbus). Ich griff zumindest beim Internet und Fernsehen zu. Warum nicht auch beim Telefon, weiß ich nicht! Ich bin eben kein Wanderer zwischen den Anbietern.

    Nun dauerte es nicht mehr lange, bis die Telekom das bemerkte und eine grĂ¶ĂŸere Kundenabwanderung in meiner Region befĂŒrchtete, was sicherlich auch eintrat.
    Ganz plötzlich bekam ich einen Brief von der Telekom, ob ich noch Interesse an DSL hĂ€tte (welch eine Frage). Ich fĂŒhlte mich arg verarscht, dennoch griff ich schnell zu, denn ich wollte nicht alles nur aus der Fernsehleitung haben (im Falle eines Ausfalls wĂ€re alles tot).
    Urplötzlich wurde das alte Kupferkabel reaktiviert und DSL geschalten. Nicht einmal das Langsamste! ca 3000 kb/s , damals enorm fĂŒr mich und meinen Bedarf.
    Das versöhnte mich keinesfalls mit der Telekom, zu lang war der Leidensweg ja bereits.
    Aber ich erfuhr, dass die DSL-Leitungen der Telekom/T-Online sehr stabil liefen und die QualitÀt durchaus (bis heute) zufriedenstellend war und ist.
    Ich bezahle bei Telecolumbus jedoch nur das Kabelferseh-Angebot, nichts zusÀtzlich (trotzdem zu teuer).
    Nun sind die BedĂŒrfnisse gestiegen, das Breitbandangebot wird immer breiter und ich sitze immer noch auf einer 6000der Leitung mit RĂŒckfalloption 3000 Kb/s, muß aber eine 6000der bezahlen, obwohl ich die garnicht kriege.
    Ich komme jedoch damit klar, meine HP lÀuft.
    Was mich aber Ă€rgert: Ich hĂ€tte gerne Home Entertainment! Geht wieder nicht! Auch schon seit langem nicht! Ich bekomme wieder Werbung, möchte gern , und bekomme es wieder nicht! Zwei HĂ€user zuvor ist Schluß! Na prima!
    Ich habe mich vor langer langer Zeit als Interessent in eine Liste bei der Telekom eingetragen. Still ruht der See.
    Aus dieser Sicht bedaure ich schon das Monopol der Telekom!
    Jedoch, das, was mab von anderen Anbietern hört( Freunde und Bekannte sind bei anderen Anbietern verteilt) ist auch nicht prickelnd. Also bleibe ich beim rosaroten Riesen und warte, und warte, und warte…
    Wieder das Problem TAL? Ist die Lösung nicht mal im eigenen Netz fĂŒr Bestandskunden möglich?
    Liebe Telekom-Leute, schaffen Sie fĂŒr Ihre Bestandskunden ordentliche Bedingungen und Angebote, und zwar fĂŒr alle!
    Weil Ihnen nicht gelingt, wofĂŒr Sie bei mir werben, mußte ich ja , zumindest die Fernsehleitung, bei einem Kabelanbieter, mit seinem geschlossenen Netz, buchen. Wieder fĂŒr zwei Jahre, teuer und nicht gerade gut! Wo ich so gern Entertain hĂ€tte….
    Genaugenommen wĂ€re ich schon froh, wenn ich meine bezahlten 6000 kb/s Downstream bekommen wĂŒrde… auch hier: still ruht der See. Sie arbeiten seit Jahren mit Hochdruck daran, sĂ€uselt die Hotline beschwichtigend in mein Ohr! Falsche Adresse, bin leidgeprĂŒft!

    Aber wenn ich bedenke, dass es in Deutschland noch viele weiße Flecken gibt… oh..oh…da bekleckert sich die Telekom nicht gerade mit Ruhm! Selbst im Berliner Umland…an dr Stadtgrenze ist Schluß mit DSL. Welten trennen Nachbarn/Gartennachbarn…
    Argument von redefreudugen Hotline-Mitarbeitern (wenn man ein wenig psychologosch geschult ist, bekommt man so manchen zum Reden): Warum sollen Wir in der Kommune A DSL legen/schalten, wenn die Leute hinterher sowieso zur Konkurenz laufen. Einige werden das sicherlich tun. Die meisten jedoch nicht, wenn ihnen eine schnelle und stabile Leistung angeboten wird. Viele Leute sind heute schon bereit fĂŒr gute Leistung mehr Geld (verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig) auszugeben.

    Liebe Telekom! Vergessen Sie nicht Ihre Bestandskunden! Den Bonbonregen veranstalten Sie nur immer fĂŒr neugeworbene Neukunden.

    Also Entertain fĂŒr alle, schnelles Internet fĂŒr alle und gĂŒnstige Telefonie fĂŒr alle… und Sie werden sehen, die Kunden kommen wieder, nicht in Scharen, aber viele. Und die Alten bleiben.

    So gesehen weckt der obige Artikel von Ihnen in mir kein Mitleid, nicht allzuviel VerstÀndnis und auch nur begrenzt Hoffnung, dass die Telekom endlich in die Hufe kommt.

    Gruß aus Berlin
    der treue Telekom-Kunde,
    trotz allem,
    W.

  3. Dirk Mönnigmann sagt:

    Hallo Herr Mönnigmann,

    wir haben diesen Kommentar gelöscht, weil er gegen unsere Kommentarregeln verstĂ¶ĂŸt. Sie können es gerne noch einmal versuchen, aber dann bitte in einem sachlicheren Ton.

    Gruß
    Andreas Kadelke

  4. conception sagt:

    Dabei liegt die Lösung des Problems so nah. Ich denke dabei an den unerschlossenen potenten Kundenkreis auf der anderen Seite der Leitung. Vielleicht fundet sich auch ein komplexes und intransparentes Preissystem fĂŒr google und co?!

  5. Also ich selbst nutze Kabel Internet in Hamburg mit 100 Mbit. 50 Mbit mit VDSL hĂ€tten mir vollkommen gereicht, dann hĂ€tte ich sogar das innovative Entertain genommen, aber da bei mir nur DSL 3000 und kein VDSL verfĂŒgbar ist / war, viel die Entscheidung zwischen 3 und 100 Mbit recht leicht. Ich fĂ€nde es auch sinnvoll, wenn die Kabelanbieter, genau wie die Telekom, auch anderen Anbieter auf Ihre Leitungen lassen mĂŒsste, denn nur so wĂ€re auch ein Wettbwerb da. Schließlich ist an manchen Standorten die Kabeltechnologie die ĂŒberlegenere Technik.

  6. Stefan sagt:

    Ja, Freigabe der Kabelnetze fĂŒr alle Anbieter wĂ€re schön. Nicht allein wegen des Preises, sondern weil ich eine natĂŒrliche Abneigung gegen Kabel Deutschland habe und lieber schnelles Internet ĂŒber die Telekom oder Vodafone haben wollen wĂŒrde.

  7. Wolfgang sagt:

    Über Kabel könnte ich es jetzt schon haben (Telecolumbus). VrĂŒbergehend hatte ich das auch. Hat aber auch einen Nachteil: Wenn in der Kopfstelle des Kabelbetreibers was ausfĂ€llt, dann ist Fernsehen und Internet weg. ZUm anderen ist die EndgerĂ€tetechnik von Telecolumbus denen der Telekom weit unterlegen, fast vorsintflutlich.
    Mein Wunsch: MIndestens 6000 KB/s, aber am liebsten 8000 bis 16000 KB/s mit Entertain. Dann hĂ€tte ich zwar auch wieder alles aus einer Leitung, was ich ja eigentlich nicht will, aber meine Erfahrung ist, das beim ” Rosa Riesen” alles recht stabil lĂ€uft. Ich hatte selten AusfĂ€lle!
    Aber, wie im Kommentar oben schon gesagt: offenbar ein Wunschtraum!

  8. Wolfgang sagt:

    Komisch! Ich höre im tĂ€glichen Leben hĂ€ufig Kritik! Es wird gemeckert und geschimpft…
    Nur hier meldet sich keiner zu Wort. Warum also die vielen Kritiken, wenn es ums schnelle Internet geht? Der Blog wurde in Twitter publiziert. Demzufolge haben es eigentlich viele mitbekommen. Wo seif Ihr also?

    Tut mir leid, das verstehe ich nicht. Es mĂŒĂŸte hier Kommentare hageln…

    • Michael sagt:

      Vielleicht hat man es auch mal satt, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Werbung der großen Telekomunikationsunternehmen etwas verspricht, was dann in der Wirklichkeit oft genung nicht geht.
      Es Àndert sich auch nichts, wenn man wiederholt darauf hinweist, dass selbst vorhandene Möglichkeiten nicht zur Versorgung genutzt werden. (Ich hatte da zu einem anderen Thema was geschrieben, wo wohl nie eine entsprechende Antwort kommen wird.)
      Soll man nun hier die Feinheiten und Fehler des Wettbewerbs im TK- und Breitbandsektor darlegen?

  9. Ludwig sagt:

    Im Novemer 2010 begeisterte mich ein netter Anrufer der Telekom fuer dls25 und entertain….
    Im Februar 2011 vereinbarte ich mit dem Callcenter, mir den dazu noetigen Router im TPunkt zu besorgen.
    Im April 2011 sollte entertain endlich verfuegbar sein.
    Im Mai 2011 sollte ich kostenlos ein upgrade auf dls50 und entertain bekommen.
    Juni 2011 in der Nacht etwa dsl 8, kein entertain
    … und das Mitten in Muenchen.

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