Gespannt auf die Digitale Gesellschaft e.V.

Die Digitale Gesellschaft auf der re:publica 11

Auf der re:publica 11 hat Markus Beckedahl mit einigen anderen in einer Session noch einmal die Idee und die Konzeption des Vereins Digitale Gesellschaft vorgestellt. Der Verein will „eine offene und freie digitale Gesellschaft erhalten und mitgestalten“, so Beckedahl, der Gründer des Politikblogs netzpolitik.org. Die Gründer wollen mit dem Verein ein Dilemma lösen: Wenn in Berlin über Gesetze zum Thema Internet beraten wird, dann können Vertreter von Unternehmen oder deren Branchenverbände ihre Expertise und Meinung abgeben, da sie entsprechende Ressourcen haben. „Aber die Perspektive der Leute, die das Netzt auch nutzen, die bleibt oft ungehört“, so Beckedahl. Grund: Es gibt keine Ressourcen und Anlaufpunkte, um diese Stimmen zu organisieren. Oft werden die Macher von netzpolitik.org von Politikern gebeten, mal ihre Sicht der Dinge zu schildern. Da sie aber nur nebenberuflich als Netzpolitiker aktiv sind, konnten sie diese Aufgabe angesichts der immer komplexer werdenden Anforderungen und Anfragen kaum noch bewältigen. Jetzt sollen diese Interessen also durch einen Verein organisiert werden, siehe dazu auch das Interview mit Markus Beckedahl auf tagesschau.de.

In den Medien wird die Digitale Gesellschaft als „Greenpeace für das Internet“ bezeichnet. Man könnte auch Lobby-Organisation sagen, aber wenn ich es richtig in Erinnerung habe, haben Beckedahl und die anderen Gründer das Wort vermieden. Markus Beckedahl sprach von „advocacy“, was aber aus meiner Sicht das gleiche Konzept meint. Die Berührungsangst mit dem Begriff „Lobby“ ist aus meiner Sicht unbegründet – ja, man mag das negativ mit Big Business und bösen Absprachen in Hinterzimmern gleichsetzen, aber man kann es auch neutraler sehen: die organisierte Vertretung von legetimen Interessen in einer pluralistischen Gesellschaft. Nichts anderes macht die Digitale Gesellschaft. Die Telekom macht das übrigens auch, so wie der Bundesverband Verbraucherzentralen oder der Bundesverband der Warenautomatenaufsteller. Pluralismus der Interessen.

Da wir bei einigen Themen  unterschiedliche Sichtweisen haben, bei einigen anderen sicherlich auch nicht, wird es bestimmt zu der ein oder anderen hitzigen Diskussion kommen. Aber die Chance der Digitalen Gesellschaft e.V. könnte genau darin liegen, dass sie es schafft, Internetthemen nicht nur mit „den selben 1.500 Leuten“ zu diskutieren, wie Sascha Lobo in seinem Troll-Vortrag am Mittwochabend gespöttelt hat. Vielleicht öffnet der Verein die Diskussion und bringt damit die Community in einen Diskurs, in dem auch andere legitime Perspektiven, um ihre Interessen streiten. Dann könnte die Digitale Gesellschaft das Thema Netzpolitik für einen größeren Personenkreis öffnen und wie Beckedahl es formuliert hat „ nicht nur für Nerds.“ Wir sind gespannt!

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