Frauen im Vorstand, eine Diskussion unter Männern

Männerzirkel in verrauchter Kneipe Foto: miikkahoo / flickr

Sobald das Thema Frauen in Managementpositionen bei der Telekom aufkommt, reagieren manche mit einer Art Reflex: Die Telekom hat sich der Förderung von Frauen verschrieben, damit muss jetzt jeder Aufstieg einer Frau im Management der Telekom nicht auf Leistung beruhen, sondern auf der Zugehörigkeit zur „richtigen Gruppe“ – sprich Frau. Eine neue Art der Seilschaft. Entsprechend werden Artikel zu dem Thema bei Spiegel OnlineDie Welt oder yahoo news auch kommentiert: Da jaulen einige Männer, Personal müsse nur weiblich sein und schon werde es bar jeder Qualifikation in Führungspositionen katapultiert. Andere wollen schnell ihre Aktien der Telekom verkaufen, da jetzt der Untergang drohe – an mancher Stelle wird sogar richtig übel kommentiert. Als Mann muss ich sagen: Liebe Artgenossen, geht mal auf die Bremse!

Spätestens seit Ende der 80er Jahre liegt der Anteil der Frauen bei Universitätsabschlüssen um die 50 Prozent. 2009 gab es laut Statistischem Bundesamt 25.084 Promotionen, 11.067 davon waren weibliche Doktoren – das sind 44 Prozent. Quote hin oder her, aber angesichts dieser gesellschaftlichen Entwicklung, was haben denn da einige erwartet, wo das hinführt? Frau Dr., Frau Dipl. Ing. und Frau Master – raus aus der Uni, ran an den Herd? Es ist eher verwunderlich, dass dieser Trend nicht schon umfassender zu Veränderungen in deutschen Unternehmen geführt hat, darüber sollten wir Männer mal nachdenken: Studien belegen immer wieder, in großen Unternehmen und in Unternehmen des DAX30 sind Frauen im Top-Management unterrepräsentiert. Was stimmt da nicht mit uns?

Und dann dieses Jaulen einiger Kommentarschreiber über die angeblich so schlecht qualifizierten Frauen: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schreibt in einer Langzeitstudie, die über 20 Jahre das Thema Geschlechterunterschiede im Bildungswesen verfolgt hat: „Studentinnen erreichen in einigen Studienfächern knapp bessere Notenresultate als die Studenten, so in den Sozialwissenschaften, aber auch in den Naturwissenschaften. In anderen Fächergruppen schneiden sie geringfügig schlechter ab, wie in der Rechtswissenschaft und Medizin. In den Ingenieurwissenschaften an Universitäten fallen die Notenresultate von Studentinnen und Studenten exakt gleich aus, an Fachhochschulen sind die Studentinnen leicht besser.“ (Frauen im Studium, Langzeitstudie 1983 – 2004, Seite 17). Also halten wir einfach mal fest: Frauen sind auch gut – Punkt.

Wie die Telekom Frauenförderung betreibt, hat die Kollegin Vollmar im Blog schon mal beschrieben. Wer sich mal mit den aktuellen Personalien beschäftigen möchte:

Ein TV-Interview mit Claudia Nemat zum Thema Frauen im Management und warum die Wirtschaft Frauen braucht – unter anderem auch mit einer Aussage zum Thema Quote bei der Förderung von Frauen. Claudia Nemat (früher Funke) soll bei der Telekom den Vorstandsposten Europa übernehmen, der seit April 2011 vakant ist (Vorgänger Guido Kerkhoff wechselte zu ThyssenKrupp). Sie ist aktuell Director bei der Managementberatung McKinsey und leitet den Hightechsektor für die Märkte Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Die zukünftige Kollegin hat übrigens Physik studiert.

Marion Schick war Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg (2010/11) und hat sich als Professorin und als Praktikerin mit dem Thema Personal auseinandergesetzt. Die ehemalige Präsidentin der Hochschule München (2000 – 2008) hat im April 2008 das Bundesverdienstkreuz bekommen. Sie soll bei der Telekom das Ressort Personal übernehmen.

PS: Bestimmt haben wir die Bekanntgabe auf den Zeitraum der Frau-WM geplant – sonst interessiert das Thema ja keinen ;-) .

Kommentare (7)

  1. Manuela Lehmann says:

    Toller Artikel :-)
    Schön das es Männer gibt die so wie Du denken und die Fakten für sich sprechen lassen. Schade, dass es sogar Frauen gibt die genau wie die “jaulenden Männer” in Deinem Artikel denken…

    Sonnige Grüße

    Manuela

  2. Die Telekom hat ja überall rumposaunt, dass sie die Frauen in den Vorstand berufen um den Frauenanteil zu erhöhen. Da darf man sich nicht wundern, wenn jetzt die Leute argwöhnen, dass sie nicht qualifiziert sind. Die Telekom hätte ja auch sagen können, dass sie die Frauen in den Vorstand beruft, weil sie es drauf haben. Das hat sie aber nicht!!
    Der Level nach Studienabschluss ist die untere Managerebene. Da würde ich eine Geschlechterverteilung erwarten, die in etwa der Verteilung im Semester entspricht. Für den Vorstand rekrutieren sich aber die Mitglieder aus relativ hohen Managementebenen. Wenn hier kaum Frauen sind, ist es natürlich ungerecht, wenn ich Frauen bevorzugt in den Vorstand hole.
    Wenn ich schon so politisch korrekt bin wie die Telekom, frage ich mich, wieviele Behinderte und Migranten im Vorstand sitzen?

    • Pia says:

      … also auf DIESE Argumentation muss man(n) erst einmal kommen: So lange Frauen nicht in gehobenen Managementpositionen sind, ist es ungerecht, wenn sie in die höchste Ebene kommen???? Und dann der nächste Paukenschlag: Wenn keine Behinderten und Migranten dort sitzen, sollen Frauen da auch nicht hin???? Also wäre der Vorschlag: Es kommt nur eine behinderte Frau mit Migrationshintergrund für den Vorstandsposten in Frage – oder falls wir die jetzt gerade nicht finden – eben ein Mann … “sorry – versucht haben wir es ja”, oder wie?
      Umgekehrt wird doch eher ein Schuh draus: Solange es so wenige Frauen im Vorstand von DAX-30-Unternehmen gibt, ist es berechtigt, sie mal zu pushen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Menschen in den obersten Reihen eines Weltkonzerns “es drauf haben”. Stimmt nicht – da bin ich zu naiv? Naja, dann heißt das ja wohl, dass es auch Männer “nicht immer drauf haben” und trotzdem in Führungspositionen gelangen ….

  3. Pingback: Weibliches Daimler-Vorstandsmitglied für Frauen-Quote

  4. Pingback: A Bad Aftertaste / Ein fader Beigeschmack « Henkel Diversity Blog

  5. Mag says:

    Wichtig ist, dass das Thema ernsthaft und ohne Vorurteile diskutiert wird. Bedenklich wird es immer dann, wenn ein qualifizierterer Bewerber eine bestimmte Position nicht bekommt, nur weil irgendeine Quote im Vordergrund steht. Im Hinterkopf sollte man auch immer behalten, dass Männer und Frauen nun mal nicht gleich sind (das ist keine Wertung). Frauen ist Harmonie und langfristiger Erfolg wahrscheinlich etwas wichtiger. Männer wollen oft nur ihr Ego puschen und eigene Interessen durchsetzen (was in der ein oder anderen Situation sicher sinnvoll ist).

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