Zwischenruf vom Pranger

Der Verein Deutsche Sprache e.V. (vds) hat eine schöne Mission: Er will Deutsch als eigenständige Kultursprache fördern. Etwas unschön sind teilweise die Methoden, mit den Details nimmt man es da nicht so genau – das Pflegen von Vorurteilen und Klischees steht eher im Vordergrund: Jährlich wird ein so genannter Sprachpanscher des Jahres gewählt und per Pressemitteilung bekannt gegeben. 1832 Mitglieder des Vereins wählten in diesem Jahr RenĂ© Obermann an den Pranger. Die Begründung: Die Deutsche Telekom verärgere ihre Kunden mit englischen Sprachimporten und der Besuch unserer Internetseiten sei „eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache“.

Die genannten Beispiele des Vereins sind nicht neu: Die Tarifbezeichnungen, die kritisiert wurden, sind zum Teil zehn Jahre und älter. Verständlich eigentlich, dass wir aus der am Markt etablierten „Combicard Teens“ nach all den Jahren nicht die „Kombinationskarte Backfisch“ machen, würden wir doch zum Wohle der „Sprachreinheit“ für größtmögliche Verwirrung unter unseren Kunden sorgen ;-)

Nun könnten wir nur mit einem Achselzucken reagieren, bemühten wir uns nicht seit längerem darum, dem Verein unser Vorgehen zu erläutern. Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass uns möglichst alle Kunden verstehen. Daran arbeiten wir und deswegen haben wir unsere Produkt- und Markenwelt in den letzten Jahren auch schon entrümpelt und da wo sinnvoll deutsche statt englische Bezeichnungen eingeführt. Beispielsweise sprechen wir statt von T-Mobile und T-Home wieder von Mobilfunk und Festnetz und der Mediareceiver heißt mittlerweile Festplattenrekorder. Das sind nicht die einzigen Beispiele. Der vds kennt sie und verschweigt sie. Schade eigentlich, aber so passt es natürlich besser.

Wir wissen, wir sind weit davon entfernt perfekt zu sein. Deshalb kündigen wir sicherheitshalber schon jetzt an, dass wir Begriffe wie „Internet“ und „Surfen“ nicht aus unserem Sprachgebrauch streichen werden und auch seit Jahren am Markt etablierte Produktnamen wie „Call & Surf“ nicht einfach verschwinden lassen. Und deshalb freuen wir uns schon jetzt auf die Fortführung des konstruktiv-kritischen Dialogs mit dem vds.

PS: Lesetipp zum Thema: Das Sprachlog von Anatol Stefanowitsch.

Kommentare (5)

  1. Dem kann ich absolut nur zustimmen. Die Telekom ist einer der wenigen Anbieter, welche die Tarifbezeichungen in den letzten Jahren einheitlich und klar verständlich gehalten hat. Sowohl Call & Surf als auch Entertain sind gängig Begriffe und für jeden klar verständlich und einleuchtend, auch wenn man nicht gut in Englisch ist. Bei 1&1 ist es das Surf & Phone Special, bei Arcor / Vodafone war es ein All Inclusive Paket oder jetzt z.b. ein DSL plus Mobile Flat Paket und bei Alice ist es das Fun oder Comort Paket. Wer da die Telekom an den Pranger stellt, naja der muss es selbst wissen. Da war es vor 2 Jahren eher Problematischer, dass die Kunden nicht verstanden haben, was jetzt Telekom, T-Home, T-Com oder T-Mobile zu sagen haben. Die Vereinheitlung auf die Marke Telekom war ein sehr wichtiger Schritt und sehr gut finde ich auch, das man die Mobiltarife in der Bezeichnung an die Festnetztarife angelehnt hat und um Mobil ergänzt hat (also Call Mobil und Call&Surf Mobil). Also aus meiner Sicht weiter so und sich vom Titel “Sprachpanscher” nicht irritieren lassen ;-)

    • Telekom Angestellter says:

      Sehr viele Begriffe aus der IT- und Kommunikationstechnik kommen eben mal aus dem Englischen und sind, da schließe ich mich den anderen Meinungen an, nicht mehr wegzudenken. Seit Jahren etablierte Produktnamen sollte man auf gar keinen Fall nachträglich eindeutschen.
      Allerdings müssen wir uns in Zukunft, bei der Auswahl neuer Produktnamen auch an unsere nicht englischsprachigen Landsleute erinnern und an möglichst alle Eventualitäten denken. Ein etwas leichtsinnig gewählter Werbespruch kann genauso nach hinten losgehen. Ich erinnere nur an die Aktion “Come in and find out” von Douglas …

      Man muss die ganze Sache auch positiv sehen. Auch eine etwas negative Werbung, wie der Titel des “Sprachpanschers” ist Werbung ;-)

  2. Telekom Shopper says:

    Hallo,

    zuerst sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich dem Englischen mehr als mächtig bin und daher noch relativ schmerzfrei durch die Anglizismenbrille schauen kann. Jedoch stört es auch mich, dass im heutigen Sprachgebrauch immer mehr verfremdelt wird und man dumm angeschaut wird, sobald ein deutscher Begriff einen “normalen” Anglizismus ersetzen will.

    Bei Produktbezeichnungen finde ich es jedoch etwas übertrieben, die Sense rauszuholen und um sich zu schlagen! Unsere Kunden kommen mit den Bezeichnungen klar, Fachbegriffe muss man seit jeher erläutern da nicht jeder mit einer IT-Ausbildung daher kommt! Da sehe ich eigentlich kein Problem.
    Und warum stört sich eigentlich keiner in anderen Bereichen des Lebens daran? Warum bittet keiner die Autohersteller, so Bezeichnungen wie 16V DOHC verständlich zu formulieren? 16 Ventiles double overhead camshoft versteht sicherlich keiner, sagt man jedoch 16 Ventile, doppelte oben liegende Nockenwelle kommen sicherlich ein paar mehr Menschen mit ;-)

    Man sollte dieses Thema in Fachbereichen sicherlich der Verständlichkeit halber – und auch für die Kommunikation nach außen – im Auge behalten und rügen. Aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Schlimmer finde ich es, dass im täglichen Sprachgebrauch – und hier gerade auch im Geschäftsbereich – so Begriffe wie “committen” oder “timen” oder oder oder einfach nicht tot zu bekommen sind ;-)

    In diesem Sinne: Zügelt euch im Zwischenmenschlichen, habt Nachsicht im Alltäglichen!

  3. Moin.
    Ich bin ebenfalls ein großer Feind von Sprachpanscherei – zumindest dort, wo eine gewisse Grenze erreicht wird.
    Natürlich will ich auch weitestgehend “stehende” Begriffe behalten und nicht zwanghaft alles in Deutsche übersetzen. Siemens hat das vor Jahren mal mit “Mutterbrett” usw. getan und sich damit mehr oder weniger der Lächerlichkeit preisgegeben.
    Was mich seit Ewigkeiten bei euch stört: Mein aktueller Tarif ist der “T-Mobile (engl.) Complete (engl.) Mobil (dt.) L Friends (engl.).
    Dass ihr die Übersetzung von “Mobile” kennt beweist ihr ja schon zwei Worte später. Und dass “Complete” in irgendeiner weise toller als “komplett” ist und dass ihr lieber “Friends” als “Freunde” habt, wage ich zu bezweifeln…

    • Mixery says:

      Mag sein, dass T-Mobile, T-Com und T-Home heute Geschichte sind und alles Telekom heißt und es ist auch nachvollziehbar, dass man Wörter wie Surfen, Prepaid, Flatrate, Internet, Web oder Roaming nicht ersetzen muss. Und auch Facebook muss nicht zum “Gesichtsbuch” werden und das Smartphone darf gerne eins bleiben.

      Aber trotzdem hat die Telekom diesen Preis voll und ganz verdient, denn Tarifnamen/-bezeichnungen wie Entertain, web’n'walk, Complete, Friends, Connect usw klingen einfach nicht toll, sind auch nicht innovativ, sondern schlicht: UNNÖTIG. Man muss diese Wörter ja nicht 1:1 auf deutsch übersetzen und so verwenden.

      Auch verstehe ich den Autor nicht, warum man so “etablierte” Bezeichnungen wie Call&Surf nicht ersetzen könnte. Hallo das ist ein Tarifname – sonst nichts. Und etabliert ist er höchstens bei den Verkäufern dieser Produkte. Daran ändert auch nichts, dass dieser tolle Name seit mehreren Jahren benutzt wird: nur ein Bruchteil der Kunden weiß doch überhaupt, wie sein Tarif heißt.
      Wäre es beispielsweise so schlimm, wenn Call&Surf ab jetzt Fon&Surf, Fon&Web oder Telefon&Internet heißen würde?

      Natürlich können viele Menschen in diesem Land etwas englisch sprechen. Aber man darf nicht ausgehen, dass es jeder kann. Was an Support, Hotline, HelpDesk oder (ganz schlimm!) “Customer Care” besser sein soll als Kundendienst, Kundenservice oder Kundenbetreuung, weiß ich auch nicht.

      Eine Grenze, in wie weit man Anglizismen verwendet, gibt es nicht. Man muss da einfach etwas Feingefühl beweisen, nicht immer nur auf die Werbeleute hören und darauf achten, dass man lächerlich klingende Tarife rausbringt.

      Bevor ihr die Telekom mit anderen vergleicht: vergesst auch nicht, dass wir im Gegensatz zu Vodafone, E-Plus oder o2-TelefĂłnica ein deutsches Unternehmen sind. Mag zwar vielleicht nicht soo viel heißen, aber zu sagen “Die anderen machen´s aber auch so!” bringt uns auch nicht weiter. Die anderen sind ja auch nicht Marktführer.

      Also: play on! :-)

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