Horrorszenario Bewerbungsgespräch?

Recruiterin Nicole Karagöl (2.v.l.) in meinem Bewerbungskreuzverhör

Recruiterin Nicole Karagöl (2.v.l.) in meinem Bewerbungskreuzverhör

Angst, Schweiß, Bibber… die Tür geht auf, man tritt herein, vor einem stehen drei Männer im dunklen Anzug: “Sind Sie Frau Burmeister? Dann legen Sie mal los. Warum sind Sie die Mitarbeiterin, nach der wir schon immer gesucht haben?”… Puhh, was soll man darauf antworten? :-(

Gar nichts!!! Denn heute stell ich die Fragen. Und zwar meiner Kollegin Nicole Karagöl. Sie ist in Augen der Bewerber eine der gefürchteten Recruiter der Telekom. Verständlich. Denn wer ist nicht vor seinem Vorstellungsgespräch nervös? Deshalb drehen wir den Spieß heute einmal um. In meinem Kreuzverhör kitzel ich alle Gemeinheiten aus einem Bewerbungsgespräch heraus: Mögen die Spiele beginnen.

Nicole, was haben Sie denn eigentlich an? Finden Sie das passend für ein Vorstellungsgespräch?

Hihi… Sabine, du kannst ja richtig böse sein! So vergraulst du mir ja meine Bewerber. Aber allgemein richtig, zum Bewerbungsgespräch sollte man nicht ganz leger erscheinen. Zerissene Hosen, abgewetzte T-Shirt und FlipFlops sind tabu. Wenn man sich auf einen Job bewirbt, sollte man auch seriös und gepflegt gekleidet sein, gerade wenn man im Kundenkontakt steht. Da sollte auch bei Studenten und Absolventen mal der Anzug aus dem Schrank geholt werden. Wir Frauen haben da ja mehr Spielraum :-)

Allerdings. Aber Nicole, nun erzählen Sie erst einmal was von sich? Warum sollen wir gerade Sie nehmen?

Stop, Stop! Immer langsam. Zunächst gilt es erst einmal das Eis zu brechen. Angefangen mit einer kleinen Vorstellungsrunde. Dann erzählen wir dem Bewerber etwas über seinen zukünftigen Arbeitsbereich. Schließlich soll er erst einmal die Chance bekommen, die Anfangsnervösität zu überwinden. Wir wollen den richtigen Menschen kennenlernen, im aufgeregten Zustand ist das nicht möglich. Anschließend bitten wir ihn dann, etwas von sich zu erzählen. Die Fachbereichsvertreter sind hier vorallem an den eigenständigen Projekten des Kandidats interessiert, welche Rolle er hierbei übernommen hat. Hier können auch Projekte im Rahmen eines sozialen Engagements näher beschrieben werden. Absolventen werden auch manchmal gebeten, kurz und knapp die Inhalte ihrer Abschlussarbeit zu präsentieren. Hier gilt der Tipp: Visualisieren! Schließlich sitzt ein Personaler und ein bis zwei Fachbereichsvertreter im Publikum. Diese sollten alle vom Thema abgeholt und mitgerissen werden.
Das Bewerbungsgespräch ist vorallem eine Chance für die Kandidaten. Im Gespräch haben sie die Möglichkeit, noch einmal auf Besonderheiten in ihrem Lebenslauf hinzuweisen und diese mehr hervorzuheben. Diese sollte man nutzen, indem man sich vorher noch einmal hinsetzt und sich überlegt: was macht mich aus? In welchen aus der Stellenbeschreibung genannten Gebieten bring ich mein Know-how mit? Im Bewerbungsgespräch geht es nicht darum, alle Unternehmensfakten und die Historie der Telekom auswendig runter zu rasseln. Während dem Gespräch sollte sich jedoch herauskristalisieren, dass der Bewerber sich mit unserem Unternehmen vertraut gemacht hat und sich dementsprechend auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet hat. Informieren kann man sich dabei auf unserer Homepage.

Gut, zu wissen. Davor hatte ich oft am meisten Angst. Eine Frage jedoch mag, glaub ich, kein Bewerber: Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Weißt du, was eine wirkliche Schwäche ist? Wenn jemand sagt: “Ich habe keine Schwächen!”. Das geht garnicht. Wir suchen Querdenker. Menschen mit Ecken und Kanten: Persönlichkeiten. Und Menschen machen auch Schwächen aus. Das macht Bewerber authentisch. Alles andere ist reine Show. Ich zum Beispiel bin auf meinem Schreibtisch ein Chaostyp. Für jede Notiz hab ich einen anderen Zettel. Dementsprechend sieht mein Schreibtisch auch aus. Es kommt aber nicht darauf an, was deine Schwäche ist. Es geht darum, dass du sie erkennst und wie du sie angehst. Ich schau mir einige Tricks zum Beispiel bei meinen Kollegen ab: Wie gehen sie mit ihrem Schreibtisch um? Und ja, ich kann sagen, es hat sich gebessert. :-)
Wenn diese Frage wirklich gestellt wird, muss man keine Angst davor haben. Ich persönlich glaube aber, dass es auch ohne Bewerbungsgespräch nicht schlecht ist, sich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Hätt ich das mal bei meinem damaligen Gespräch gewusst. Es hätte mir die Nacht zuvor ein paar Stunden Schlaf mehr gebracht. Letzte Frage: Was kannst du uns noch aus dem Nähkästchen erzählen?

Hmm… was gibt es noch für Tipps? Gehaltsvorstellungen. Bei einem Direkteinstieg wird man hiernach gefragt. Mein Tipp: Nicht zu hohe Gehaltsspannen abgeben, sich lieber auf eine konkrete Zahl festlegen. Ist diese höher als unsere Vorstellungen, sollte man auch in der Lage sein, zu argumentieren, wieso man es dennoch wert sei.
Ist das Gespräch vorbei, bekommt man ca. innerhalb ein bis zwei Wochen eine Rückmeldung von uns.
Ansonsten kann ich selbst auch nur den schon abgedroschenen Satz sagen: Bleib einfach du selbst! Ich weiß, es klingt doof, aber es ist nun mal viel dran. Und hey, wir sind selber auch nur Menschen. Wir sitzen nicht da und machen “Plus” und “Minus” nach jedem Satz, den der Bewerber sagt. Der Gesamteindruck zählt.

Nicole, ich kann dir sagen: dein Gesamteindruck stimmt! Du hast mein Kreuzverhör bestanden :-) Recruiter sind gar nicht so schlimm, wie man als Bewerber immer denkt.

Und für euch hab ich auch noch eine tolle Neuigkeit. Wenn ihr noch weitere Tipps & Tricks zum Vorstellungsgespräch braucht, schreibt uns hier eure Fragen. Ich quetsche unsere Recruiter für euch aus.

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